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Was kommt nach Webseite, Cookies und mobilen Apps?

In Europa werden durchschnittlich 1,5 Millionen Apps pro Monat heruntergeladen, wenn man aber genauer hinschaut, stellt man fest, dass kaum mehr neue Apps dazukommen. Die Platzhirsche werden intensiver genutzt – allen voran Facebook und Chat-Programme wie WhatsApp, WeChat, oder auch Snapchat. Es kommen zwar täglich hunderte von neuen Apps auf den Markt, aber das Interesse daran und deren Erfolg läßt rapide nach.

Seit dem vergangenen Jahr kündigen sich neue Trends an: Conversational OS, Chatbots und die kontextbezogene Ausspielung von Inhalten. Neben ihrer bequemen Nutzung richten sie sich vor allem gegen die bestehende App-Infrastruktur. Die Logik: Nutzer wollen Inhalte dort abholen, wo sie agieren – das war in der ersten Ausbaustufe das Mobiltelefon, inzwischen ist es WhatsApp und der Facebook-Messenger. Dies zur ultimativen Herausforderung für den Erfolg von Apps – sie müssen eine logische Verknüpfung zu den Platzhirschen bieten. Die größte Veränderung wird das Conversational OS mit sich bringen: das Audio-Interface, das sich mit natürlicher Sprache bedienen lässt, ist bereits omnipräsent, auch wenn es noch nicht intensiv genutzt wird. Ob Apple, Google, Microsoft oder Amazan – alle arbeiten mit Hochdruck daran, die Sprachkommunikation voranzutreiben, auch weil diese geradezu ideal mit dem Internet of Things verknüpft werden kann. Perfektes Beispiel: Google Home (sh. auch „Wie wichtig ist IoT für den Handel?“). Bei chinesischen Whatsapp-Klon „WeChat“ können schon jetzt eine Fülle von Services mittels Sprache abgerufen werden: Taxi oder Pizza bestellen, Bezahlen, Pakete finden und natürlich auch die beste Route finden.

Was hat dies alles mit digitalem Retailmarketing zu tun? Ein Nutzer muss in Zukunft keine App mehr installieren oder eine Website finden, um einen Dienst in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig ist er aber der Plattform ausgeliefert und muss sich wohl damit abfinden, von seinem Werbeetat einen nicht unerheblichen Betrag für einen bis dato noch unbekannte Marketingkostenfaktor reservieren. Nämlich dafür, dass sein Dienst der erste ist, wenn ein User generisch Pizza bestellt und nicht explizit nach “Luigis Pizza” fragt. Bei Amazons Alexa in den USA ist genau dieses Szenario bereits Realität – bestellt ein Nutzer per Alexa mittels „No-Click“-Bestellung und Same-Hour-Delivery-Garantie eine Flasche Champagner, kann Amazon sich aussuchen, welche Marke eine Stunde später per Kurier geliefert wird – und mit dem Hersteller über die Marge verhandeln.

Einen guten Überblick über die Auswirkungen von Conversational OS bietet Shopify in seinem Blog „How conversational commerce is forever changing the way we shop“.

Es ist spannend zu beobachten, wie sich beispielsweise Google hier positioniert – der Konzern lebt noch davon, dass Menschen suchen und er Werbung neben den nützlichen Ergebnissen zeigen kann. In dialogischer Form könnte es sein, dass sich Anzeigen in aktueller Ausprägung überhaupt nicht mehr darstellen lassen.

Noch spannender ist die Frage, wie sich Conversational OS auf Webseiten auswirken wird. Es darf mit Sicherheit angenommen werden, das deren Bedeutung -vielleicht einmal abgesehen von Webshops -in den kommenden Jahren drastisch abnehmen wird. So wie wir heute bereits Emailmarketing de fakto als tot erklärt haben.

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